Runder Tisch: Bewährter Praktiken kopieren

   Obwohl das Grundmotto des Runden Tisches „Die Bedeutung der Mehrsprachigkeit für die junge Generation“ lautete, wurde dieser erste Runde Tisch bei so einem breiten Spektrum an Gästen im Wesentlichen zu einem Erfahrungsaustausch und einem Schaufenster guter Praktiken der deutschen Minderheiten in den jeweiligen Ländern und natürlich wie diese auch anderswo als neues, zusätzliches Fenster zur Welt angewendet werden könnten.

Der erste Redner, der österreichische Botschafter in Slowenien, Dr. Konrad Bühler, eröffnete die Diskussion auf recht persönliche Weise, indem er erklärte, dass seine Vorfahren in gemischten Ehen vier Sprachen gesprochen hätten und dass es gut wäre, die Minderheitensprachen, ihr kulturelles Erbe und ihre Verbindung zur slowenischen Kultur zu fördern.

       Erwin Josef Tigla aus Rumänien überraschte uns alle damit, wie gut die deutsche Minderheit in Rumänien organisiert ist, wo es 18 offiziell anerkannte Minderheiten gibt und so ein kleines Europa vorstellen. Die deutsche Bevölkerung siedelte sich im heutigen Rumänien, das damals zur österreichisch-ungarischen Monarchie gehörte, seit Anfang des 18. Jahrhunderts an, weil es dort reiche Bodenschätze gab, aus denen sich eine bedeutende Eisenindustrie entwickelte. Sie sind stolz auf ihre 300-jährige Geschichte als deutsche Minderheit, die sich im Laufe der Geschichte als sehr glücklich erwiesen hat. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden sie nicht vertrieben, und die wenigen tausend Arbeiter, die in die Sowjetunion verschleppt wurden, kehrten nach fünf Jahren zurück. Selbst im sozialistischen Rumänien hatten sie ihre eigenen deutschen Schulen, bis hin zum Abitur. Auch heute ist das deutschsprachige Schulsystem vorbildlich, das kulturelle Angebot ist gut und Rumänien hat sogar eine deutsche Tageszeitung.

Hartmut Koschyk, Leiter der Deutschen Stiftung Verbundenheit, hat Wurzeln in Oberschlesien und konnte als Beauftragter der deutschen Bundesregierung deutscher Minderheiten in Ländern, in denen die deutsche Minderheit besteht gut fördern und auch finanziell unterstützten, und auch praktische Hilfe leisten. Durch seine häufigen Besuche hat er viele Vergleiche und gibt diese guten Erfahrungen gerne weiter. Die Unterstützung von Minderheiten ist keine Gefälligkeit, sondern eine moralische Pflicht für jedes Land, das stolz darauf sein sollte, seine eigene Kultur zu bereichern. Es kommt nicht auf die Größe der Minderheit an, sondern es liegt in der Verantwortung jeder Regierung, sie zu fördern. Wir haben Fälle erlebt, in denen deutsche Minderheit von allen schon abgeschrieben wurde, aber wir haben sie mit Anreizen und finanzieller Hilfe wiederbelebt. Das ist auch in Slowenien notwendig, denn ich wundere mich, dass die autohtone deutschsprachige Minderheit nicht offiziell als Minderheit anerkannt ist.

Auch Dr. Anja Modic vom slowenischen Institut der Akademie der Wissenschaften wies darauf hin, dass die Zahlen für die deutsche bzw. deutschsprachige Minderheit so unterschiedlich seien, dass viele Menschen den einzelnen Zahlen nicht zustimmen würden, da auch die Zählungen unterschiedlich waren. Ihrer Meinung nach sei es wichtiger, die Mehrsprachigkeit durch Anreize zu fördern als zu zählen.

Bernard Gaida, Vorsitzender der AGDM, der in Polen als deutsche Minderheit lebt, sagte, dass sie nach dem Zweiten Weltkrieg als deutsche Minderheit weitgehend unterdrückt wurden, oft inhaftiert wurden, um sie so einzuschüchtern, und wurde Deutsch zu sprechen verboten. Er sagte auch, das es heute in Europa eine Reihe von Dokumenten zur Förderung von Minderheiten gibt, aber es handelt sich überall nur um Mindeststandards, und selbst diese werden nicht überall eingehalten. Wir sollten aber einen ganz anderen Weg gehen und die Minderheitensprachen fördern, denn das ist gut für jedes Land, für jedes Nachbarland, und es ist auch gut für die wirtschaftliche Zusammenarbeit. Es schadet niemandem, auch nicht der Mehrheitsnation, wenn alle Einwohner in gemischten Gebieten beide Sprachen sprechen.

Dr. Alexander Maicovski, Präsident des Alpenländischen Kulturverbandes, war anfangs sehr skeptisch, als er sagte, dass wir den Kampf mit der Jugend fast schon verloren haben, weil die fast nur noch Englisch sprechen, und nicht einmal mehr in Ihre offizielle „Landessprache“ sprechen. Die moderne Technik ist zum großen Teil daran schuld. Deshalb ist es jetzt die letzte Zeit, nicht mehr nur zu reden, sondern so schnell wie möglich Mehrsprachigkeit in die Tat umzusetzen, damit die Jugendlichen persönlich und ohne Telefon miteinander reden. Dies gilt umso mehr für Minderheitensprachen, so dass die Anerkennung der Minderheit und der Sprache eine unverzichtbare Grundlage ist, wenn wir Minderheiten fördern wollen. Es muss gehandelt werden, nicht nur Reden.

Dr. Bruno Burchart, Präsident der ÖLM- Österreichische Landsmannschaft, der aus Kärnten in Österreich kam, zog einige Parallelen zwischen den muttersprachlich-zweisprachigen Minderheiten, der slowenischen Minderheit in Österreich und der deutschen Minderheit in Slowenien, die zwar durch das Kulturabkommen gleichgestellt sind, aber die Situation der deutschsprachigen in Slowenien ist inakzeptabel, weil in Slowenien die deutschsprachige Minderheit überhaupt nicht offiziell anerkannt ist.

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