Österreichische Staatsauszeichnung – und wann auch von Slowenien?

    Bundespräsident Dr. Alexander Van der Bellen verlieh dem Marburger Martin Kostrevc das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich.

Der 93-jährige Martin Kostrevc erhielt in den Räumlichkeiten des österreichischen Honorarkonsuls in Marburg das „Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich“ durch den österreichischen Botschafter in der Republik Slowenien, Dr. Konrad Bühler und der österreichischen Honorarkonsulin in Marburg, Mag. Helga Rudorfer, feierlich überreicht.

Der 93-jährige Martin Kostrevc
(von links) Der österreichische Botschafter in der Republik Slowenien, Dr. Konrad Bühler, der 93-jährige Ordensempfänger Martin Kostrevc, und die österreichische Honorarkonsulin in Marburg, Mag. Helga Rudorfer.
Gedenkfotos von Martin Kostrevc mit seinen Freunden

In seiner kurzen Ansprache betonte Botschafter Bühler, wie sehr er sich freue, einen Mann auszeichnen zu dürfen, der ein Vorbild für die slowenische und deutschsprachige Bevölkerung sei. Martin Kostrevc widmete sich den Nachkriegsmassakern auf dem Bachern/Pohorje, wo Angehörige verschiedener Nationen getötet wurden und ohne eigenes Grab verschüttet wurden. Mit Mut und Forderungen nach Exhumierungen arbeitete er mit zahlreichen Experten und der staatlichen Kommission zusammen und war somit die treibende Kraft hinter der Aufdeckung der Wahrheit über die Massaker auf dem Bachern/Pohorje.

Seine jahrzehntelange Aufarbeitung wollte er auch mit einem Denkmal für alle Getöteten historisch würdigen. Es war ein langer Weg bis zur Errichtung des Denkmals im vergangenen Jahr auf dem Bachern/Pohorje. Die meisten Menschen wissen nicht, dass die drei Musketiere, Margarete Jahn aus den USA, Ingeborg Mallner aus Österreich und er, Herr Martin Kostrevc, etwas geschaffen haben, womit viele nicht gerechnet hatten. Heute steht auf dem Bachern/Pohorje beim Areh ein Denkmal, mit dem er – ein Einheimischer – die historische Wahrheit an die Öffentlichkeit, unter die Bevölkerung, gebracht haben, obwohl die Politik ihn auf fast jedem Schritt des Weges behindert hat.

Martin Kostrevc aus Marburg hat sich in den letzten Jahren zu einer der bekanntesten slowenischen Persönlichkeiten entwickelt, die sich für den Erhalt des historischen Andenkens an die Opfer kommunistischer Gewalt beiderseits der Grenze einsetzt. Seit Jahrzehnten kämpft er für den Erhalt der Erinnerung an die Nachkriegsfriedhöfe und -massaker auf dem Bachern Gebirge/Pohorje. Die österreichische Staatsauszeichnung ist eine hohe Anerkennung seiner mutigen und langjährigen Arbeit, die dazu geführt hat, dass heute am Bachern/Pohorje ein Denkmal für die unschuldigen Opfer der Nachkriegsmassaker steht.

Ein langjähriger Kampf für das historische Andenken
Seit einige Jahrzehnte lenkt Kostrevc die Aufmerksamkeit auf die vergessenen Schicksale der Menschen, die in den turbulenten Nachkriegsjahren durch politische Auseinandersetzungen ihr Leben verloren. Trotz zahlreicher bürokratischer Hürden, Widerstand in Teilen der Bevölkerung und mangelnden politischen Willens, beharrte er auf der Idee eines Denkmals am Bachern/Pohorje, das als Symbol des Respekts, der Mahnung und der Versöhnung dienen soll. Seine Arbeit umfasste nicht nur den konzeptionellen Entwurf des Denkmals, sondern auch die Sammlung von Dokumenten und Zeugenaussagen, die Einholung von Unterstützung aus der Bevölkerung sowie zahlreiche Initiativen in slowenischen und österreichischen Institutionen. Dass Kostrevc entlang der Grenze eine Brücke zwischen den beiden Nationen schlug, ist laut österreichischen Vertretern einer der Hauptgründe für die Verleihung der Auszeichnung.

Die Auszeichnung war nicht umsonst.

Die Verleihung des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste an einen Ausländer ist keine Selbstverständlichkeit. Österreich verleiht es an Persönlichkeiten, die durch ihr Wirken maßgeblich zur Bewahrung von Werten, zur internationalen Zusammenarbeit oder zur Stärkung der Völkerverständigung beitragen. In der Begründung für die Auszeichnung hieß es, Kostrevc habe mit seiner Arbeit „zu einer humanen, historisch verantwortungsvollen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit beigetragen“ und „den grenzüberschreitenden Respekt vor den Opfern totalitärer Regime gestärkt“.

Die Auszeichnung wurde nicht umsonst verliehen, denn Kostrevc wird sich, solange es seine Kräfte erlauben, weiterhin dafür einsetzen, dass alle Opfer kommunistischer Gewalt ein eigenes Denkmal erhalten. „Die Arbeit ist noch nicht beendet“, sagte Kostrevc und erwähnte auch seinen Nachfolger, der neue Forschungen zu den unschuldig Ermordeten auf dem Bachern/Pohorje leiten wird und sich um das Denkmal kümmert. Dabei handelt es sich um Vojko Golob, einem Gemeinderat der SDS aus der Gemeinde Kötsch-Schleinitz/Hoče-Slivnica.

Die Abwesenheit der Medien, ein dunkler Fleck im slowenischen Journalismus.
Leider bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Kein einziges größeres Marburger Medienunternehmen war bei der Preisverleihung anwesend – weder Fernsehen, Radio noch Zeitung. Einzig unser Portal e-maribor.si berichtete über die Veranstaltung und war persönlich vor Ort. Gleichzeitig fragen wir uns, wo war der Journalist von Večer, einer Zeitung, die sich als unabhängig versteht.

Diese Medienabwesenheit wirft Fragen nach der selektiven Berichterstattung slowenischer Medien über die Geschichte kommunistischer Gewalt auf. Ein Ereignis, das von einem anderen Land als äußerst wichtig und höchst würdig eingestuft wurde, blieb in den heimischen Medien nahezu völlig unbeachtet. Dies zeigt, dass ein großer Teil der slowenischen Öffentlichkeit nach wie vor Themen meidet, die einen Blick auf die dunklen Seiten unserer Vergangenheit werfen.
Kostrevcs Geschichte ist eine wichtige Mahnung, dass die Achtung der Opfer totalitärer Regime keine politische Zugehörigkeit kennt. Und dass das Gedenken an unschuldige Opfer die Pflicht jeder demokratischen Gesellschaft ist, nicht eine Frage der Politischen Orientierung oder der Medienauswahl.

Wir gratulieren Martin Kostrevc herzlich zur Verleihung des Ordens der Republik Österreich. Wir hoffen, dass die neue Regierung im demokratischen und unabhängigen Slowenien endlich erkennt, dass so gutherzige Menschen wie Martin Kostrevc, die für die Wahrheit kämpfen, auch einen slowenischen Staatsorden verdienen.

Lesen Sie mehr über Martin Kostrevcs Lebensweg auf der linken Seite dieses Portals.

Entnommen vom Portal e-maribor.si.

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