Die heutige Enthüllung einer Gedenktafel am Ort eines nationalsozialistischen Zwischenkriegs- und eines kommunistischen Nachkriegs-Konzentrationslagers hat eine außerordentliche symbolische Bedeutung, denn wir erinnern uns heute an den Terror zweier totalitärer Systeme, die ursächlich miteinander verbunden sind und in unserer Region Wunden hinterlassen haben, die noch immer nicht vollständig verheilt sind und uns noch immer nicht erlauben, mit voller Lunge zu atmen“, begann die Rednerin die Feierstunde bei der Enthüllung der zweisprachigen Gedenktafel am ehemaligen Kommandogebäude des Lagers Sterntal und fuhr fort: “Die Gedenkfeier selbst ist ein symbolischer Beginn der Rehabilitierung des Leides derer, die in diesem Lager zwangsweise gebracht wurden. Gleichzeitig ist der heutige 23. August dem weltweiten Kampf gegen alle totalitären Systeme wie Kommunismus, Faschismus und Nazismus gewidmet, was die Enthüllung der Gedenktafel umso symbolischer macht. Die Ereignisse in der Welt erinnern uns daran, dass wir uns auch heute leider in einer ähnlichen Situation befinden wie unsere Vorfahren vor dem Zweiten Weltkrieg, deshalb hat die heutige Zeremonie noch eine tiefere symbolische Bedeutung, die sich in zwei Worten zusammenfassen lässt: „NIE WIEDER….
Sternthal, schönes Symbol Wort Sterntal, ist leider zu einem Synonym für etwas ganz anderes geworden, ein Symbol des Leidens, des Hasses, ein Todeslager. Während des Ersten Weltkriegs ließ sich der österreichisch-ungarische Generalstab im nahe gelegenen Gut Sternthal nieder und begann auf diesem Gelände mit dem Bau eines Lazarettes und eines Kriegsgefangenenlagers, während sich auf der anderen Straßenseite noch immer ein Friedhof für Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg befindet. Das Lager wurde zur Zeit der Besetzung im Jahr 1941 reaktiviert und beherbergte 2000 Kriegsgefangene, die eine Aluminiumfabrik bauten. Während des Krieges starben in vier Jahren hier 800 Gefangene. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs befand sich auf demselben Gelände das kommunistische Konzentrationslager Sterntal. Mitja Ribičič schrieb im Mai 1945, dass „in Sterntal ein geeignetes Logor gefunden wurde, in dem zwischen 20 und 25.000 Schwaben und Volksdeutsche untergebracht werden konnten“. Nach Angaben von Dr. Mirko Mikol haben die Kommunisten mindestens 12.000-15.000 Regimegegner, zumeist einheimische Deutsche, in das 2.000-Personen-Lager eingespert. In dem überfüllten Lager starben innerhalb von fünf Monaten 5.000 Lagerinsassen aufgrund von unzureichender Hygiene, Unterernährung und Krankheiten. Nach der Intervention des Internationalen Roten Kreuzes waren die Kommunisten im Oktober 1945 (vor den Wahlen) gezwungen, das Konzentrationslager formell aufzulösen und es wurde in ein Arbeitslager umbenannt, für Zwangsarbeit Verurteilte, das bis April 1950 in Betrieb blieb.
Der Absurd der kommunistischen Politik wurde komplett, als Sterntal, das slowenische Strnišče, nach dem Krieg in Kidričevo umbenannt wurde – nach dem kommunistischen Totalitaristen Boris Kidrič, der für Tausende von Toten verantwortlich war. Es ist auch das berühmte Zitat des Genossen T. Kidrič im Jahr 1945, bekannt, als er sagte: „Die deutsche Minderheit wird in unserem Land keine Rechte haben, weil es keine deutsche Minderheit geben wird“.
Bei der Enthüllung der Gedenktafel am Kommandogebäude Sterntal hielt der Moraltheologe Dr. Ivan Štuhec eine Ansprache, in der er uns zunächst daran erinnerte, dass wir uns an einem der vielen Orte auf slowenischem Boden versammelt haben, an dem sich noch immer unzählige unschuldige Opfer der kommunistischen Revolution befinden, die nie verurteilt wurden und die noch immer unschuldig sind.
Er machte deutlich, dass jeder, der heute, mehr als acht Jahrzehnte nach Beginn des Zweiten Weltkriegs, leugnet, dass die Kommunisten die Besatzung und die Befreiung von Okkupation für ihre revolutionären Zwecke nutzten, unverhohlen lügt, hinterhältig ist, und die Geschichte und ihre Fakten verfälscht. Aber all dies geschieht in unserem Land immer noch unter dem Deckmantel und mit dem Ziel, jungen Menschen zu erzählen, dass der jugoslawische und slowenische Kommunismus anders waren und ein menschliches Gesicht hatte. Der Redner wies darauf hin, dass die Überreste der totalitären Komponenten leider bis heute in der slowenischen Gesellschaft präsent sind, und die slowenische Politik hat ein Problem, weil sie die Erklärung des Europäischen Parlaments zu den drei Totalitarismen, in der auch der Kommunismus verurteilt wird, nicht ratifizieren will.
Wir haben keine zentrale Planwirtschaft mehr, aber wir haben eine neue linke Wirtschaftsoligarchie, die sich während des Übergangs-Transition von Sozialismus in den Kapitalismus durch missbrauche bereichert hat. Ihr linksextremes Monopol über einen großen Teil der Medien ist geblieben und hat sich in den letzten zehn Jahren noch verstärkt.
Dr. Štuhec schloss mit den Worten: „Diese Aktion der Organisatoren von heutiger Veranstaltung ist ein Schritt in die richtige Richtung, in die entgegengesetzte Richtung, weg von den totalitären Wahnvorstellungen der Vergangenheit, hin zu einer Humanisierung der Gesellschaft, zu einem Mitgefühl für die Menschen, die Opfer von Totalitarismen aller ideologischen Farben waren, die zwar ideologisch unterschiedlich, aber im Kern genau dasselbe sind. Denn wäre dies nicht der Fall gewesen, hätten die Kommunisten das deutsche Lager ja nie zu ihrem eigenen Lager gemacht. Deshalb ist der Wortlaut dieser Gedenktafel an dieser Stelle historisch korrekt: für die Opfer der nationalsozialistischen und kommunistischen Gewalt in der Zwischenkriegszeit (die vollständige Rede von Dr. Štuhec können Sie auf der linken Seite unserer Website lesen).
Nach der Rede von Dr. Štuhec folgte die Enthüllung der Gedenktafel, die symbolisch vom Bürgermeister von Kidričevo, Anton Leskovar, und im Namen der deutschsprachigen von Veronika Haring, der Vorsitzenden des Kulturvereins deutschsprachiger Frauen „Brücken“, vorgenommen wurde.
Die enthüllte Gedenktafel wurde anschließend durch den Erzbischof von Maribor, Msgr. Alojs Cvikl in einer kurzen religiösen Zeremonie gesegnet. Richtig unangenehm und erschütternd wurde es, als die Rednerin begann, einen Auszug aus dem Buch „Reben sterben stehend“ von Bogdan Novak vorzulesen. Die bereits erwähnte Veronika Haring legte, während der Text vorgelesen wurde, einen Kranz an der Gedenktafel nieder und zündete eine Kerze an, wie es im gelesenem Text beschildert wird (wenn Sie den Text unten lesen, werden Sie verstehen, warum es alptraumhaft war).
Am nächsten Vormittag stieg Urška auf ihr Fahrrad und fuhr aus dem Ort Mogile, wo sie wohnte, los. Sie hatte immer noch das Fahrrad Styria, das ihr Vater ihr vor vierzig Jahren zum Geburtstag geschenkt hatte. Nur jetzt musste sie das Fahrrad anmelden und es hatte ein Nummernschild mit einem roten Stern und einem großen S und dazu eine Nummer. Auch dafür musste man jetzt Steuern zahlen; aber die Kommunisten hatten während des Krieges ja versprochen, dass es nach dem Krieg keine Steuern mehr geben wird.
An den Lenker des Fahrrads hängte sie einen Korb, in den sie den Kranz, den sie am Vortag geflochten hatte, und eine große Kerze. Sie fuhr durch Ptuj/Pettau und über die Drau-Brücke durch Hajdina nach Kidričevo. Dieser Ort, wurde noch immer als Sterntal genannt, aber sie erkannte im nicht wieder. Entlang der Straße war eine riesige Aluminiumfabrik entstanden, und im nahen gelegenen Park befand sich eine Wohnsiedlung mit dreißig Arbeiterhäusern, alle mit Wohnungen mit Balkonen. Aber sie hielt nicht an, um sie zu bewundern.
Beim Kreuz im Ort Apače bog sie links ab und fuhr dann in den Wald. Zwischen den spärlichen Bäumen hielt sie an. Sie lehnte ihr Fahrrad an einen Baum und sah sich um. Der Boden war moosbewachsen, und überall auf der Lichtung wuchsen niedrige Büsche. Es hieß, dass die UDBA an diesem Ort Gefangene aus Sterntal getötet und begraben hatte. Auch die Leiche ihres Philipps ruht hier irgendwo.
Sie nahm den Kranz und Kerze aus dem Korb. Sie kniete sich neben einen nahen Baum, legte den Kranz auf den Boden und stellte die Kerze in die Mitte. Sie nahm ein Streichholz aus der Schachtel und ritzte den Rand an. Mit der kleinen Flamme zündete sie die Kerze an. Sie kniete nieder und starrte in die flackernde Flamme. Sie betete Vater unser und Ave-Maria fürs Philipps Seele und wünschte ihm ewigen Frieden und Ruhe. Es ist ja nicht nur Philipp hier begraben, sondern Hunderte von Menschen, die unmittelbar nach dem Krieg verschwunden waren, denkte sie.
Dieser Gedanke brach sie zusammen. Tränen flossen aus ihren Augen, sie bedeckte ihr Gesicht mit den Händen und weinte.
„O Philipp, mein Philipp, warum hat man dich mir weggenommen?“, stöhnte sie unter ihren nassen Händen.“ O Philipp, mein Philipp“
Bis heute hat sie gehofft, dass er irgendwo noch eingesperrt ist und er zurückkommen wird. Aber als ihr Zalars Ivan sagte, dass er dabei war, als sie ihm erschossen haben, konnte sie sich mit diesem Gedanken nicht abfinden. Jetzt, als sie im Wald kniete, wo sein Leichnam irgendwo lag, wurde ihr klar, dass dies die unerbittliche Wahrheit war und dass sie Philipp nie wieder sehen wird. Denn zu dieser Zeit war der Mensch eine Bestie. Um sie herum waren die stummen Bäume, die die Zeit, die an ihrer Rinde entlang kroch, nicht bemerkten. Es war, als ob die Zeit stehen geblieben wäre, aber das war nur die Hilflosigkeit ihrer Sinne, obwohl sie vermutete, dass die Bäume nur so aussahen, als sie sich nicht bewegten, denn in Wirklichkeit maßen sie mit ihrem jahrhundertealten Wachstum die Zeit Gottes, die sehr langsam verging.
Sie stand auf und kroch zu ihrem Fahrrad. Sie fuhr zurück nach Hause nach Mogila, wo alle ihre Erinnerungen an Philip und ihr Glück waren, als sie beiden das noch genossen konnten. Denn nur in den Erinnerungen können wir ein Unterschlupf aufbauen, in dem das Leben erträglicher wird“.
Nach einer unangekündigten Stille folgte das Lied Abendglocken, der von den Solisten Jan Veljak gesungen wurde.
Am Ende der Gedenkveranstaltung forderte die Rednerin die Anwesenden auf, selbst ein paar Worte zu sagen. Janez Janša, Parteivorsitzender der SDS, sagte u.a.„Solange es in einer Gesellschaft nicht die Fähigkeit gibt, solches Böse moralisch zu verurteilen, gibt es keine grundlegenden Voraussetzungen für Versöhnung. Die Wahrheit, wenn es um so große Dinge geht, wenn so großes Leid im Spiel ist, kann nicht einfach getötet werden. Ein so großes Leid wie das, an das hier erinnert wird, kann nicht einfach zugedeckt werden, es kann nicht getötet werden, und die Erinnerung muss vor dem Vergessen bewahrt werden.“
Besonders hervorzuheben ist auch die Rede der deutschsprachigen, ausgesiedelten, im Ausland lebenden Einheimischen. Für sie sprach Ingeborg Mallner in einer persönlichen, emotionalen Ansprache:
Liebe Teilnehmer an dieser Gedenkveranstaltung,
Als Bundesobfrau der Landsmannschaft der Deutsch-Untersteirer vertrete ich die Deutsch-Untersteirer, die aus ihrer angestammten Heimat der Untersteiermark nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben wurden. Viele von ihnen waren in diesem Lager nach Ende des 2. Weltkrieges interniert und erlebten das Leiden und Sterben in diesem Lager hautnah mit – es hat sich tief in ihre Seelen eingegraben und die Wenigen, die heute noch leben, möchten nicht mehr an den Ort schlimmer Erinnerungen kommen.
Auch mich hat dieser Ort in meiner Kindheit und Jugendzeit begleitet. Meine Großmutter war in diesem Lager interniert. Jedes Mal wenn wir Kinder am Grab der Großmutter standen, erzählte mein Vater die Geschichte von der Lagerzeit meiner Großmutter, von den Kindern, die zunächst im Lager herumtollten, dann nicht mehr stehen und laufen konnten, bis es sie nicht mehr gab. Kaum ein Kind unter drei Jahren überlebte das Lager.
Den Ort der Massengräber auf dem Bachern, wohin Lagerinsassen nächtens auf LKW’s hingebracht wurden und wo sie dann außergerichtlich umgebracht und verscharrt wurden, hat er mir erst später gezeigt. Meine Großmutter hatte das Glück, nicht abgeholt zu werden. Das Lager musst Ende August nach Besichtigun durch das Rote Kreuz aufgrund der katastrophlaen Zustände geschlossen werden.
Der Text auf der Gedenktafel hat mich vom ersten Augenblick an berührt, ist er doch auf Versöhnung ausgerichtet. Auch der Zufall, dass, obwohl nicht geplant, in zeitlichem Zusammenhang hier eine Gedenktafel und dort auf dem Bachern am 5. Oktober eine Steinerne Gedenkstätte vom Erzbischof Msgr. Alojzij Cvikl geweiht wird, bewegt mich.
Viel zu lange wurde geschwiegen.
Es sprachen auch der Geschichtsprofessor Janez Janžekovič, der das Lager erforscht hatte, der Rechtsanwalt Dušan Ludvik Kolnik, Vorsitzender der Sektion für lokale Geschichte, und Andor Ferenc David, ungarischer Botschafter in Slowenien.
Die gesamte Gedenkveranstaltung wurde mit musikalischen Darbietungen des lokalen Quartetts „Musica“ aus Ptuj und des Kammerchors Hugo Wolf aus Maribor, der zum Kulturverein deutschsprachiger Frauen Mostovi gehört, bereichert.
Text von Jan Schaller,
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