Abschied von unserer Obfrau Veronika Haring

     Am 2. Januar 2026, eine Woche vor ihrem 78. Geburtstag, hat sich unsere Obfrau des Kulturvereins deutschsprachiger Frauen „Brücken“, Veronika Haring, still von uns verabschiedet. Sie war nicht nur Obfrau des Vereins, sondern 25 Jahre lang eine treibende Kraft und unermüdliche Kämpferin für die endgültige Anerkennung der autochthonen deutschsprachigen Minderheit in Slowenien. Leider hat sie dies nicht mehr erlebt.

Der Dezember ist der Monat, in dem wir uns beste Wünsche für die Zukunft und das kommende Jahr wünschen. Im vergangenen Dezember wünschten wir uns vor allem Gesundheit und dass sich unsere Obfrau Veronika Haring im Krankenhaus schnellstmöglich erholt und zu uns zurückkehrt. So wie sie es schon mehrmals machte. Als sie aufgrund einer Ellbogenverletzung nicht mehr stundenlang am Computer tippen konnte, entschied sie sich für eine Operation – ein künstliches Gelenk. Zwei Monate nach der Operation war sie mit ihrem starken Willen wieder die alte Veronika, ohne Probleme. Ja, letztes Jahr hatte sie auch einen leichten Schlaganfall und wir alle rieten ihr, weniger zu arbeiten und einen Teil ihrer täglichen Aufgaben an Kollegen abzugeben. Aber sie wollte beweisen, dass sie es immer noch konnte, dass sie nicht aufgeben wird und dass sie selbst das Tempo bestimmte.

Dann kam dieser verhängnisvolle Montag, der 8. Dezember. Sie war nicht die Erste im Büro, und selbst zum Beginn des Deutschkurses um 10 Uhr war sie noch nicht da. Wir schlugen Alarm, irgendetwas stimmte nicht. Eine Stunde später lag sie auf der Intensivstation im Krankenhaus – in künstliches Koma versetzt.

In dieser Woche standen für unseren Hugo-Wolf-Kammerchor zwei Advent- und Weihnachtskonzerte auf dem Programm. Wir gerieten in Panik, wie sollen wir das alles so schnell in den Griff bekommen, doch sie hatte bereits alles im Voraus vorbereitet, sogar den Empfang nach den Konzerten. Wir widmeten diese beiden Konzerte, das eine in Laibach und das andere in Marburg, Obfrau Veronika, mit den besten Wünschen, so schnell als möglich, wieder gesund zu werden.

Es war sehr ungewöhnlich, zum ersten Mal ohne sie. Die besten Wünsche für eine schnelle Genesung, „alles Gute im neuen Jahr, vor allem Gesundheit“, der Optimismus, mit dem wir ins neue Jahr gestartet sind, wurde am 2. Januar 2026 jäh zerstört, als wir eine SMS erhielten, dass Veronika uns verlassen hatte. Leider hatte sie ihren Kampf wieder gesund zu werden verloren. Wir waren zutiefst erschüttert, denn sie war es gewesen, die uns immer Mut gemacht hatte, obwohl wir uns nur noch an Strohhalme klammerten. „Wir dürfen nicht aufgeben, die werden uns nicht vernichten, wir werden ihnen zeigen, dass wir Recht haben.“ Schon wütend darüber, dass wir völlig ignoriert wurden, verfassten Veronika und ich eilig eine Verfassungsbeschwerde, ohne großes Aufhebens. „Wenn wir das vorweg mehreren erzählen, werfen sie uns Steine unter die Füße, du weißt ja, wie sie uns das Leben schwermachen.“

Die Verfassungsbeschwerde war eingereicht, schon wartete die deutsche Übersetzung des slowenischen Buches „Trte umirajo stoje“ – „Reben sterben einsam“ auf uns. Wir arbeiteten ganze Tage lang, weil die Zeit drängte. Das Buch sollte Anfang November erscheinen und wurde auch pünktlich veröffentlicht. Wie wir das alles in so kurzer Zeit geschafft haben, ist mir auch heute noch ein Rätsel.

Wir wollten den Dezember etwas ruhiger beginnen, nur die zwei Konzerte standen noch bevor. Veronika fand jedoch keine Ruhe. Vormittags war sie bei „ihrer täglichen Arbeit“ wie sie ihre Arbeit im Büro im Verein nannte und bereitete alle Texte für den Druck der 24. Ausgabe des Sammelbandes des Kulturvereins Brücken vor. Zuhause war sie jeden Tag mit Weihnachtsbackerei beschäftigt. „Alle wissen, dass sie zu den Feiertagen Bäckereien von mir bekommen. Ich muss mich beeilen, damit ich rechtzeitig mit backen fertig werde“, sagte sie.
Sie brachte das gesamte Gebäck fertig, bereitete alles für beide Konzerte vor und gab sogar die gesamte Ausgabe des Sammelbandes für den Druck frei. War es ihr bewusst, weil dass sie sich so sehr beeilte, oder war es ihr Wille? „Ich muss das alles noch erledigen, ich habe keine Zeit zum Ausruhen“, war ihre Antwort.

Sie erledigte ihre Arbeit wie kaum jemand anderer.
Der erste Schock über Veronikas Krankenhausaufenthalt war groß und groß war sofort die Bereitschaft zur Mithilfe von allen im Verein, damit die Arbeit im Verein wie geplant weitergeht.

Das Jahr 2026 begann ohne unserer Veronika, mit dem Versprechen, ihr Werk fortzuführen.Es bleiben der Kulturverein deutschsprachiger Frauen „Brücken“, zahlreiche Veranstaltungen, international anerkannte Projekte deutschsprachiger Minderheiten in den Nachbarländern und vor allem ihr ganzer Stolz, der Hugo Wolf-Kammerchor.

All das bleibt bestehen, sie wird uns immer in Erinnerung bleiben.

Jan Schaller

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