„80 Jahre Vertriebene und Verbliebene – Teil II“

        Im Rahmen des 23. VLÖ-Volksgruppen Symposiums unter dem Titel „80 Jahre Vertriebene und Verbliebene“ organisierte der Verband der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften in Österreich-VLÖ am Mittwoch, dem 15. und Donnerstag, dem 16. Oktober 2025 im renovierten Haus der Heimat, den zweiten Teil dieses Symposiums mit Bundeskanzler Dr. Christian Stocker und der Wiener Bürgermeister Dr. Michael Ludwig als Hauptredner.

Der Teil I des Volksgruppen Symposiums fand bereits am 26. Juni 2025 im österreichischen Parlament. statt, an dem der Präsident des Nationalrates Walter Rosenkranz als Hauptredner auftrat.

Haus der Heimat im Wien, Steingasse 25, nach der Renovierung
Bundeskanzler Dr. Christian Stocker bei Eröffnung des Rudolf Reimann-Festsaales
: Wiens Bürgermeister Dr. Michael Ludwig (in der Mitte) bei Eröffnung der Ausstellung „In zwei Welten – Deutsche Minderheiten stellen sich vor“
: Die 25 Länder mit deutschsprachiger Minderheit stellen sich vor.
Vorstellung von Slowenien
Ökumenischer Gottesdienst
Vortrag von Karl von Habsburg

Gleich nach der Begrüßung mit Folklore Vorführung im ersten Innenhof fand die offizielle Eröffnung des Rudolf Reimann-Festsaales durch Bundeskanzler Dr. Christian Stocker statt. Der Präsident der VLÖ Norbert Kapeller erläuterte eingangs, dass nach dem zweiten Weltkrieg 20 Millionen Deutsche vertrieben wurden und 2 Millionen deutschsprachige Altösterreicher in ihrer alten Heimat im neuen Staat als Minderheit geblieben sind. Das Haus der Heimat der VLÖ soll Lebendigkeit den Heimatvertriebenen und Heimatgebliebenen zeigen, und dabei helfen, dem jungen Nachwuchs die Kultur und Geschichte lebendig in Erinnerung zu behalten.

Bundeskanzler Dr. Christian Stocker betonte in seiner Rede, dass der Verband die österreichische Geschichte in guten aber auch in schlechten Zeiten verbindet, die Vertreibung, der Aufbau in der zweiten Republik Österreich und enge Kontakte mit den Verbliebenen als Beispiel guter Zusammenarbeit dienen. Die Integration der Vertriebenen ist ein gelungenes Beispiel. Die Erinnerung an Kultur und Tradition soll im Haus der Heimat jetzt auch ein Ort für junge Generation sein, die sich für Geschichte interessiert.

Hartmut Koschyk, Vorsitzender des Stiftungsrates der deutschen Stiftung Verbundenheit, der die 25 deutschen Minderheiten unterstützt, erklärte, seine Organisation ist ein Brückenbauer zwischen Deutschland und deutschen Minderheiten, die noch immer in ihrer Heimat leben. „Wir dürfen heute die 80 Jahre Flucht und Vertreibung, wie auch die Unterdrückung der deutschen Sprache in ihrer Heimat nicht vergessen. Es ist unser Hauptziel, der deutschen Minderheiten in ihrer Heimat zu helfen. Es ist unverständlich das von 25 Minderheiten, denen wir helfen, nur die deutschsprachige Minderheit in Slowenien nicht als autochthone Minderheit anerkannt ist. Dass ist unfassbar. Wir möchten mit Österreich auch auf dem politischen Gebiet helfen. Auch wenn die deutschsprachige Minderheit wegen politischer Unterdrückung klein ist, benötigt sie Anerkennung, das ist unsere gemeinsame Pflicht.“

Der zweite Tag begann mit der Eröffnung der Ausstellung „In zwei Welten – Deutsche Minderheiten stellen sich vor“. Bernard Gaida, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Deutsche Minderheiten-AGDM, sagte einleitende Worte und betonte, dass auf dem Gebiet wo früher 20 Millionen Deutsche lebten, jetzt nur noch 1 Million deutschsprachig Verbliebene in ihrer Heimat leben. Die Ausstellung zeigt 25 deutsche Minderheiten, die jetzt in 25 Staaten leben, aber alle ein gemeinsames Schicksal hinter sich haben und bemerkte, nach dem zweiten Weltkrieg entstand ein starker Kulturkampf gegen Deutsche, ihre Kultur wurde mit politischem Druck und Propaganda unterdrückt, „sie sollen sich an den neuen Nationalstaat anpassen“.

Er sprach auch über die Assimilierung in den neuen Staaten und über die sehr große Auswanderung nach Deutschland in der ersten „Gastarbeiter Welle“ in den 60er-Jahren. Er betonte auch, da jetzt Arbeits-Hilfe an Verbliebenen notwendig ist, dass sie ihre Identität bewahren, ihre Deutsche Sprache und Kultur erhalten und damit dringend Schulwesen aufgebaut werden müsste, intensive Arbeit mit der Jugend in der zweiten oder dritten Generation der Verbliebenen. Das ist aber leider nicht selbstverständlich und wird auch in vielen Staaten nicht unterstützt, obwohl das alles in der Charta der Minderheitssprachen als Empfehlungen beschrieben ist oder integraler Text des Rahmenübereinkommens zum Schutz nationaler Minderheiten ist.

Die Ausstellung im Haus der Heimat wurde vom Wiener Bürgermeister Dr. Michael Ludwig eröffnet. In seiner Rede betonte er, dass er sehr froh ist, dass die Vertriebenen ihren Sitz und Kulturzentrum in Wien haben, der als Integrationszentrum wirkt und in letzten Jahren sehr viel ihrer Arbeit an Zusammenarbeit mit Verbliebenen steckt. „Es geht um ein gemeinsames Europa, wo früher Wachtürme waren, sind Minderheiten wieder mit deutscher Sprache verbunden, auch mit Dialekten vor Ort, die man pflegen muss.

Bürgermeister Dr. Michael Ludwig betonte noch, dass diese Ausstellung die wahre Geschichte der Verbliebenen erzählt. Dabei ist es sehr wichtig, dass das auf so positive Art und Weise an die heutige Jugend weitergeleitet wird.

Es folgten weitere Auftritte der Volksgruppen von Verbliebenen, ein Festzug zur Kirche am Rennweg, wo ein ökumenischer Gottesdienst für die Mitglieder des Volksgruppen- Symposiums zelebriert wurde.

Im vollbesetzten Saal sprach Karl von Habsburg zum 107. Jahrestag des Manifestes* seines Großvaters Karl, damals noch Kaiser der Österreich-Ungarischen Monarchie „An meine getreuen österreichischen Völker“. Redner Karl von Habsburg erklärte, dass dem Kaiser Karl I im Jahr 1918 schon klar war, dass der Krieg verloren war und er mit dem Völkermanifest „Kronlands Kindern“ mit einem Konzept des Zusammenlebens der verschiedenen Nationen, mit Fédération übernational zu verbinden. Dieses Konzept hat damals keine Zustimmung bekommen, aber heute zur Grundidee der heutigen EU wurde. Es brauchte Zeit und leider noch einen noch grausameren Krieg, der nicht nötig wäre, wenn diese Idee schon damals realisiert wäre“ sagte Karl von Habsburg, der sich derzeitigen Kriegsgebieten widmet und detailliert über die Lage in Ukraine erzählte, wo er schon mehrmals persönlich mit der Situation am Rande des Kriegsschauplatzes vertraut wurde.

Erklärung zur Geschichte:
*Völkermanifest war die inoffizielle Bezeichnung für das Manifest, das Kaiser Karl I. am 16. Oktober 1918 in seiner Eigenschaft als Staatsoberhaupt erließ, um den völligen Zerfall Altösterreichs in Folge des Ersten Weltkrieges zu vermeiden. Karl I. versuchte, die Monarchie durch die Einrichtung eines Bundesstaates zu retten. Er setzte sich für eine föderalistische Umgestaltung des Reiches auf der Grundlage staatlicher Selbständigkeit der einzelnen nationalen Siedlungsgebiete ein. Das mit der Anrede »An meine getreuen österreichischen Völker« versehene Manifest, das am 17. Oktober 1918 in einer Extra-Ausgabe der amtlichen Wiener Zeitung publiziert wurde, verfehlte seine Wirkung.

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