Martin Kostrevc verbrachte seine Kindheit in Spodnja Kungota/St.Kunigund, und bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, als er 12 Jahre alt war, lebten sie in einer schönen und friedlichen ländlichen Umgebung. Doch seinen Vater zog es in die Stadt, nach Maribor/Marburg, und so sind sie bald nach dem Krieg nach in die Stadt umgezogen. Nach der Grundschule besuchte er eine Eisenbahnschule, um so schnell wie möglich selber Brot zu verdienen, damit er für sich selbst sorgen konnte. Seine erste Arbeitsstelle war in den Eisenbahnwerkstätten in Studenci/Brunndorf, wo er Eisenbahnwagons reparieren musste, erinnert er sich. Zu dieser Zeit träumten die Jungen über eine bessere Zukunft im Ausland und planten in mehreren Gruppen die Flucht nach Australien. Aber schon die erste Gruppe wurde an der Grenze geschnappt, so dass er sogar eine Zeit in Einzelhaft verbrachte, weil die Gruppe verraten wurde. Sein Vater rettete ihn aus dem Gefängnis, und unmittelbar danach musste er zur Armee gehen und so überlebte er die nächsten 18 Monate in Skopje/Mazedonien in Militäruniform.
Schon als Bedienstete bei der Bahn, auch er hate Bahnfahrkarten zum Nulltarif, fuhr er so oft wie möglich mit dem Zug, damit er auch andere Orte kennenlernte. Auch bei der Armee wollte er so weit wie möglich von zu Hause weg dienen, um fremde Gebiete zu sehen. In der Armee in Skopje lernte er ganz Mazedonien und den Kosovo und ihre kulturellen Sehenswürdigkeiten kennen.
Nach dem Militärdienst trat er 1954 bei Firma Hidromontaža in die Prototypenwerkstatt ein und besuchte zusätzliche Schulen, vor allem im Bereich Ingenieurwesen, und wurde Technologe, da es zu dieser Zeit an ausgebildetem Personal mangelte. Als er 1960 Darinka, geb. Djurić, heiratete, wollten sie gemeinsam nach Deutschland fluchen. Aber wieder war es nichts aus dem Ausland. Da seine Frau eine gute Stelle bei der Allgemeinen Wassergemeinschaft und gleichzeitig eine schöne Wohnung im selben Gebäude bekam, beschlossen sie, in Maribor/Marburg zu bleiben. Sie erfüllten sich ihren großen Wunsch, die Welt zu sehen, indem sie viel reisten, und als sie sich ein Fiat-Auto, kleinen „fičo“ kauften, bereisten sie ganz Jugoslawien und fuhren sie sogar ans Meer nach Bulgarien.
Die Unabhängigkeit Sloweniens bedeutete für beide auch ihn Ruhestand.
Im Jahr 1968 fanden sie schließlich ein Grundstück am Bachern-Gebirge. Martin sagt noch immer, dass er damals zum zweiten Mal heiratete, dieses Mal sein Bachern-Gebirge. Familie baute mit eigenen Händen ein Wochenendhaus und stellten schnell fest, dass die Einheimischen misstrauisch waren, wenn Martin nach den Ermordungen der Nachkriegszeit fragte. Damals wollte niemand etwas sagen, im Gegenteil, die Einheimischen hatten Angst, verraten zu werden, denn es war damals noch gefährlich darüber zu sprechen. Um engere Kontakte zu den Einheimischen zu knüpfen, beteiligte er sich an allen lokalen Arbeitskampagnen, und als er 1984 dauerhaft nach Bachern-Gebirge übersiedelte, akzeptierten die Einheimischen ihn als einen von denen.
Als nach der Verselbstständigung Sloweniens in der Zeitung veröffentlicht wurde, dass der Bunker mit den nach dem Zweiten Weltkrieg ermordeten Personen in Slovenska Bistrica / Windischfeistritz entdeckt wurde, wusste er, dass sich die Situation geändert hat und die Menschen waren jetzt bereit über Nachkriegs Tötungen am Bachern zu erzählen. Interessanterweise wollte aber noch immer niemand in den lokalen Gremien etwas von dem Ermordungen wissen. Die Situation änderte sich, als die Tageszeitung Večer im Jahr 2004 über die Deutsche Mobilisierung der Einheimischen schrieb.
Er rief diese Kommission an, und ein Kriminalist kam dann zu ihm, und sie besuchten alle Orte am Bachern, wo die Massengräber liegen, die Martin bis zu diesem Zeitpunkt ermittelt hatte. Der Kriminalist war ein wenig geheimnisvoll, Martin wusste nicht, was er tun sollte, er könnte sogar Probleme wegen der Entdeckungen bekommen. Er beschloss, einen Gegenangriff zu starten und rief den Historiker Dr. Mitja Ferenc selbst an. Für ihn war das Bachern-Gebirge und die Morde der Nachkriegszeit immer noch ein grauer Fleck.
Martin wurde jetzt von den Einheimischen kräftig unterstützt, die die Nachkriegsgräber der Ermordeten kannten, und sie markierten die Grundstücke. Der nächste Schritt bestand darin, die Eigentümer der Grundstücke auszufinden, die ihr schriftliches Einverständnis für die Sondierung des Geländes geben mussten. Und damit hatten sie eine Menge Probleme, vor allem bei den staatlichen Grundstücken. Auch im unabhängigen Slowenien gab es immer noch viele Beamte, die die Offenlegung der Standorte und die Exhumierungen selbst behinderten. Sie sagten es nicht offiziell, sie hatten aber immer viele Ausreden. Die schlimmste war die Ausrede ‚auf unserem Grundstück ist nichts‘. Aber dann fragte Martin direkt:“ Woher weißt du das, warst du dabei?“ Und so konnten sie mit den Sondierungen beginnen.
Als die Regierungskommission, die sich mit der Frage der versteckten Gräber befassen sollte, bei ihrer Arbeit an unlösliche Probleme stieß, musste sie mehrmals pausieren. Aber Martin gab nicht auf, sondern ging direkt zu den Beamten, die die Arbeit der Kommission schikanierten. Er hat nie aufgegeben, weil er wusste, dass die Wahrheit ans Licht kommen muss.
Doch sein Kampf war damit nicht beendet. Er Kämpfe weiter um ein Denkmal für die über 6.000 Opfer die am Bachern-Gebirge in Massengräbern namenlos liegen. Nach jahrelangem Kampf mit der Behörde ist es ihm gelungen, zusammen mit der Landsmannschaft des Deutschuntersteirer aus Graz, eine Steinerne Gedenkstätte auf dem Bachern, gewidmet allen Opfern kommunistischer Gewalt, die nach Ende des Zweiten Weltkrieges auf dem Bachern ermordet und namenlos verscharrt wurden, aufzustellen.
Die Einweihung des Denkmals am 5. Oktober 2024, das endlich auf dem Bachern-Gebirge steht, ist wie ein Pflaster auf der Wunde all derer, die durch den kommunistischen Terror auf dem Bachern-Gebirge nach dem Zweiten Weltkrieg ihr Leben verloren haben.
Im Alter von 93 Jahren, marschiert er noch regelmäßig durch die Wälder des Bachern-Gebirges. Er ist jetzt überglücklich, dass es ihm endlich gelungen ist, kurz vor dem 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges, ein würdiges Denkmal für die Tausenden von unschuldigen Opfern zu errichten, die in Areh/St.Heinrich und Umgebung getötet wurden. Das Mahnmal soll an alle Opfer auf dem Bachern-Gebirge, unabhängig davon, auf welcher Seite jemand stand, erinnern.
„Ich habe am Ende des Krieges zuhause selbst miterlebt die Gräueltaten über die besiegte Armee, deshalb trage ich dieses Unrecht seit meiner Kindheit mit mir herum“, sagt Martin Kostrevc abschließend.
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