Wie bei Kongressen üblich, begann der Donnerstagnachmittag mit Begrüßungen der Gäste und der FUEN-Führung. Der Landeshauptmann von Südtirol, Arno Kompatscher, betonte die vorbildliche Minderheitenpolitik und Zusammenarbeit aller drei Nationalitäten. Südtirol sei heute das beste Beispiel für einen guten Schutz der deutschsprachigen Minderheit in Italien. Der Präsident der FUEN, Lorant Vincze, betonte, dass Minderheiten der Mehrheit nichts wegnehmen, sondern jedes Land bereichern: Minderheiten, die meist entlang von Grenzen leben, seien daher die beste Brücke für die Zusammenarbeit zwischen Ländern.
Der erste Runde Tisch konzentrierte sich auf die noch immer unregulierte Übertragung von Fernsehsignalen vom Mehrheitsland an die Minderheit im Nachbarland, die oft mit Urheberrechten und dem staatlichen Fernsehen zusammenhängt. Das Ansehen muttersprachlicher Sendungen sei die Grundlage für die sprachliche Bereicherung der Minderheit.
Vertreter der Deutschsprachigen Gemeinschaften unterzeichneten eine gemeinsame Erklärung, in der sie ein stärkeres europäisches Vorgehen gegen ungerechtfertigtes Geoblocking und den grenzüberschreitenden Zugang zu audiovisuellen Medien in Minderheitensprachen fordern. Die Unterzeichner forderten die europäischen Institutionen gemeinsam auf, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um Minderheitengemeinschaften den grenzüberschreitenden Zugang zu audiovisuellen Diensten zu gewährleisten und die Geoblocking-Verordnung der EU zu reformieren, um der sprachlichen und kulturellen Vielfalt Europas Rechnung zu tragen.
Im Anschluss wurde das Minderheitenmanifest für die Zukunft, also die künftigen Leitlinien, vorgestellt. Es ist offensichtlich, wie sich dies zumindest aus diesem Dokument entnehmen lässt, dass viele Länder immer noch genau das Gegenteil der bewährten Praxis der Minderheitenzusammen-arbeit in Südtirol tun. Hervorgehoben wurden die vom Europarat und dem Europäischen Parlament verabschiedeten Resolutionen, die nicht bindend sind, sondern lediglich Leitlinien darstellen. Die Initiativen und Vorschläge, den Minderheitenschutz für die Unterzeichnerstaaten dieser Dokumente rechtlich bindend zu gestalten, fanden im Europäischen Parlament leider keine Mehrheit. Die Position der Menschen- und Minderheitenrechte beruht somit weiterhin auf formaler und prinzipieller Unterstützung, die jedoch durch eine unzureichende Umsetzung und mit unbefriedigender Rechtsgrundlage behindert wird. Obwohl grundsätzliche Übereinstimmung besteht, behindert dies leider immer noch den Gebrauch der Minderheitensprache und bietet nicht die Möglichkeit zur kulturellen Betätigung, wie sie von der einzelnen Minderheit gewünscht wird.
Ein Höhepunkt des FUEN-Kongresses in Bozen war die Verleihung des FUEN-Preises 2025 an Univ. Prof. Elisabeth Sándor-Szalay , mit dem ihr herausragender Beitrag zum Schutz der Menschen- und Minderheitenrechte und ihr lebenslanges Engagement zur Stärkung der Minderheitengemein-schaften Europas gewürdigt wurden. Prof. Sándor-Szalay war zwölf Jahre lang stellvertretende Kommissarin für Grundrechte und zuständig für die Rechte nationaler Minderheiten in Ungarn.
Der zweite Tag des 69. FUEN Kongresses in Bozen richtete den Blick in die Zukunft: Wie können Minderheitenrechte in Europa gestärkt werden und welche Richtung sollte die Arbeit der FUEN in den nächsten Jahren einschlagen?
Wir lernten, wie das dreisprachige Südtirol, wo heute eine halbe Million Menschen leben, davon 68 % deutschsprachig, 26 % italienisch und 4,4 % der ladinischen Minderheit, zusammen lebt. Sie präsentierten uns einen Film, in dem sie eine beispielhafte und erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Minderheiten vorstellten, die in dieser Form in diesem Bereich wirklich als Vorbild für alle anderen dienen soll.
Besonders interessant, dass sowohl im Film als auch in ihren Präsentationen ein realistisches Bild der Geschichte gezeichnet wird: Wie einst von Konflikten, Attentaten und politischer Spaltung geprägtes Land, sich dank Autonomie und Subventionen heute zu einem sehr fortschrittlichen Land entwickelt hat. Dank staatlicher Anreize für die Einwanderung von Italienern und auch italienischer Unternehmen ist die einst arme Region heute die erfolgreichste. In der Landwirtschaft konzentriert man sich auf den Obstanbau – Äpfel und Weinbau – und der Wintertourismus gewinnt zunehmend an Bedeutung. Dadurch ist es gelungen, die Einheimischen auf dem Land zu halten und somit die Infrastruktur auf das Niveu der Städte gebracht wurde.
Interessant ist, dass in der Verwaltung eine proportionale Besetzung der Stellen nach Nationalität herrscht. Alle zehn Jahre wird über die Nationalitäten abgestimmt, dabei haben sie aber auch keine nationalistischen Probleme. Gleichzeitig wird festgelegt, wie viele verschiedene Sprachen jeder Einzelne spricht. Im Bildungswesen gibt es drei verschiedene Schulsysteme, jede Nationalität hat ihr eigenes, und der Schwerpunkt liegt auf dem Erlernen aller drei Sprachen.
Anschließend tagten die Arbeitsgemeinschaften der FUEN. Die Teilnehmenden tauschten Erfahrungen aus, diskutierten laufende Projekte und besprachen aktuelle Anliegen. In parallelen Sitzungen trafen die Arbeitsgemeinschaften Deutscher Minderheiten (AGDM), Slawischer Minderheiten (AGSM), Turksprachiger Minderheiten/Gemeinschaften (TAG), Ungarischer Gemeinschaften (MKM)und Staatenloser Minderheiten (NKS) zusammen. Die Arbeitsgruppe der deutschen Minderheiten (AGDM) traf sich mit Dr. Bernard Fabritius, dem deutschen Beauftragten für die Beziehungen zu deutschen Einwanderern und nationalen Minderheiten, der uns über die Richtlinien sowie die finanzielle Unterstützung Deutschlands für die von ihm betreuten deutschen Minderheiten informierte.
Der dritte Tag des 69. FUEN Kongresses Organisation, gewidmet. Dabei standen die Wahl der neuen FUEN-Führung und wichtige Entscheidungen, die die Ausrichtung der Organisation für die nächste Amtszeit prägen, im Mittelpunkt. Nach der Bestätigung der Wahlordnung und der Ernennung des Wahlvorstands stellten sich die Kandidatinnen und Kandidaten den Delegierten vor, gaben in ihren kurzen Präsentationen Einblicke in ihren beruflichen Hintergrund, ihre Prioritäten und ihre Vorstellungen für die Zukunft der FUEN.
Zur neuen FUEN-Präsidentin für die Amtszeit 2025–2028 wurde Olivia Schubert von der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU) gewählt. FUEN-Vizepräsidenten wurden Bahne Bahnsen (Friisk Foriining e.V., Deutschland), Sterica Fudulea (Armãn-Gemeinschaft in Rumänien), Nabi Ibraimtzik (Föderation der Westthrakien-Türken in Europa), Dr. Hartmut Leipner (Domowina – Bund Lausitzer Sorben, Deutschland), Harald Stauder (Südtiroler Volkspartei, Italien) und Dr. Balázs Tárnok (Ungarische Allianz – Magyar Szövetség – Maďarská Aliancia, Slowakei). Der bisherige Präsident der Jugend Europäischer Volksgruppen (JEV), Louis Albert-Becker, bleibt als ständiger Vertreter der JEV Mitglied des Präsidiums.
Der nächste Kongress findet 2026 in Helsinki, Finnland, statt. Zum Abschluss des Kongresses stellte sich die schwedische Minderheit, die an der finischer Küste lebt, die als Organisatorin fungiert. Sie wiesen ausdrücklich darauf, dass sie eine schwedischsprachige Minderheit in Finnland sind und keine Schweden.
Präsidentin/Vertreterin des Verbandes: Urška KOP
Steuernummer des Verbandes: 61298387
Haupttätigkeit: 94.999 – Tätigkeiten von Mitgliederorganisationen
Registrierung: 04.07.2005
E-Mail des Verbandes: zvezaverband@gmail.com
Webseiten-Redakteur: Jan Schaller
E-Mail der Redaktion/Post: info.zvezaverband@gmail.com
DATENSCHUTZRICHTLINIE | ALLE RECHTE VORBEHALTEN von Jan Schaller | Entwickelt von EMBE VICE Digital Agency